Landwirtschafts-Simulator – Im Switch4one Test

Es ist soweit! Der Landwirtschafts-Simulator ist für Nintendo Switch erschienen und es darf fleißig gesät, gepflügt und geerntet werden. Doch wie schlägt sich der Port der immer beliebter werdenden Reihe auf Nintendos neuer Konsole? Wir haben unsere Kleidung gegen ein Farmer-Outfit eingetauscht und sind in den anstrengenden Bauern-Alltag eingetaucht.

Die Karriere eines Bauern

Startet man den Karrieremodus, kann man erst einmal den Schwierigkeitsgrad wählen. Während viele Teile der Simulation auf „einfach“ deaktiviert sind, habt ihr bei dem Schwierigkeitsgrad „schwer“ das volle Paket, von verwelkendem Getreide auf den Feldern, wenn ihr es nicht schnell genug erntet, über schwankende Preise an den Märkten bis hin zu einer möglichst Detail-getreuen Simulation der Fahrzeuge wenn es darum geht Maschinen an- oder abzukoppeln bevor ihr loslegen könnt.

Hier sei direkt einmal erwähnt, dass sich die Entwickler bei dem Detailgrad der diversen Fahrzeuge wirklich Mühe gegeben haben. Neben den richtigen Markennamen der Fahrzeuge und Gerätehersteller, sind die Modelle den Originalen sehr genau nachempfunden – Fahrzeuge verbrauchen sogar Benzin!

Hat man sich für einen Schwierigkeitsgrad entschieden, kann man eine von zwei möglichen Karten wählen. Was die Karten für Besonderheiten bieten, wird leider nicht erwähnt.

Natürlich darf man danach auch noch seine Spielfigur „gestalten“.  Wobei man hier nur das Geschlecht und die Farbe des Karo-Hemdes wählen kann. Hat man seine Figur gewählt, geht das Spiel nach einer kurzen Ladezeit auch schon los.

Eine Erntefahrt ist lustig

Eine kleine Tour erklärt einem die wichtigsten Funktionen und man kann damit beginnen seine Farm zu erkunden. Läuft man zu der ersten Markierung, erhält man eine Einweisung in die verschiedenen Fahrzeugtypen, beginnend mit dem Erntefahrzeug. Hier fällt dann auch das erste Mal der extreme Detailgrad auf – ist man in das Fahrzeug eingestiegen, muss man das Schneidewerk erst einmal ankoppeln, dann den Ernter ausfahren und das Schneidewerk einschalten. Das sind immerhin schon einmal 3 Schritte (auf „schwer“ muss man sogar den Motor manuell anlassen), ehe man überhaupt loslegen kann. Hut ab für diese Details. Fährt man nun mit dem Erntefahrzeug über ein Getreidefeld, füllt sich so langsam der Getreidetank des Fahrzeugs. Diesen muss man regelmäßig leeren, um das Getreide anschließend entweder ins eigene Silo zu bringen oder aber in der Stadt zu verkaufen (und natürlich muss man es dort selbst mit dem Traktor hinfahren). Wer allerdings nicht die Geduld hat das ganze Feld Meter um Meter abzufahren und das Getreide zu ernten, kann auch einen Helfer einstellen welcher diese Arbeit übernimmt – das Kostet jedoch Geld. Bei der schieren Menge an Aufgaben, wird man jedoch um Helfer nicht herum kommen.

 

Wo gegrubbert wird da fliegt Erde

Ist man nun einige Meter gefahren, wird man vom Tutorial zum nächsten Fahrzeug geschickt. Dort angekommen bekommt man erklärt wie ein abgeerntetes Feld gegrubbert wird. Auch hier heißt es wieder, einsteigen, das Gerät der Wahl, in dem Fall den Grubber, ankoppeln, aufs Feld fahren, den Grubber senken, damit der Boden auch bearbeitet wird und dann das Feld Reihe für Reihe abfahren – natürlich kann man auch hier wieder einen Helfer einstellen.

Wer ernten will, muss säen

Habt ihr den Boden eures Feldes aufgelockert, geht es ans säen. Auch hierfür gibt es natürlich eine Einleitung (ihr habt es euch sicher schon gedacht, es ist recht komplex). Beim Säen steht ihr erst einmal vor der Qual der Wahl – was soll denn gesät werden? Hierbei stehen euch so einige „Feldfrüchte“ zur Verfügung. So könnt ihr Weizen, Raps, Sojabohnen, Kartoffeln, Ölrettich, Gras, Gerste, Sonnenblumen, Körnermais, Zuckerrüben oder Pappel anpflanzen. Doch Vorsicht – hier schlägt die Simulation zu, natürlich braucht ihr je nach Feldfrucht anderes Erntegerät und andere Sämaschinen. Welche Ernte für euch am lukrativsten sein kann, könnt ihr euch in der Preistabelle ansehen. Dort erhaltet ihr eine Übersicht darüber, wo gerade welcher Preis für die einzelnen Feldfrüchte gezahlt wird, es lohnt sich also vor dem Säen einen Blick darauf zu werfen. Hat man sich entschieden kann es auch schon losgehen. Rauf auf den Traktor, Sämaschine ankoppeln, aufs Feld fahren, Sämaschine absenken und auch hier, das Muster sollte euch aufgefallen sein, Reihe für Reihe das Feld abfahren. Erneut bietet es sich an einen Helfer einzustellen, damit man sich um andere Dinge kümmern kann.

Habt ihr den Umgang mit allen Maschinen gelernt, leitet euch das Tutorial zu eurem ersten Verkauf. Während euer Helfer das Feld abgeerntet hat, könnt ihr die Ernte nun auf den Traktor laden und euch auf den Weg in die Stadt machen, um Geld zu verdienen.

In der detaillierten Preisübersicht könnt ihr sehen welche Feldfrüchte gerade das meiste Geld bringen und wo ihr sie am besten verkaufen könnt.

Geld ausgeben leicht gemacht

Doch was tun wir mit dem hart erarbeiteten Geld? Klare Antwort – neue Maschinen kaufen. Im Shop könnt ihr Traktoren, Erntemaschinen, LKWs, Sämaschinen, Pflüge, Grubber, Düngerstreuer, und und und, kaufen. Die Auswahl ist schier unglaublich. Und das ist auch einer der größten Kritikpunkte die ich am Spiel habe – ist der Simulationsgrad schlicht beeindruckend, ist man schnell überfordert ob der Möglichkeiten und der Auswahl verschiedener Fahrzeuge, Maschinen und anderem Gerät – später kann man sogar in die Viehzucht einsteigen oder seinen Hof um andere Dinge erweitern, wie einen Wasserturm, eine Werkstatt oder ein Heizkraftwerk. Man muss sich also wirklich einarbeiten, wenn man wirtschaftlich erfolgreich sein und alle Möglichkeiten ausschöpfen möchte.

Hier kann man wirklich leicht die Übersicht verlieren – der große Fuhr- und Gerätepark ist eine der großen Stärken des Landwirtschafts-Simulators.

Tiere fressen einem die Haare vom Kopf

Wie bereits erwähnt kann man auch Tiere, genauer gesagt Schafe, Schweine oder Kühe, auf seinem Hof halten. Natürlich wollen die Tiere aber entsprechend versorgt werden und das nicht einfach mit Wasser und „Tierfutter“ – nein, auch hier wird das Spiel seinem Simulationsanspruch gerecht. So benötigt man spezielle Futtergemische je nach Tier, welche sich aus Gras, Körnermais, Getreide oder Wurzelfrüchten zusammensetzen müssen (die Anteile daran variieren je nach Tierart). Auf jeden Fall brauchen aber alle einen sauberen Fütterungsbereich – auch darum muss man sich also kümmern.

Statistiken, Erfolge und des Bauern Musik

Das ganze macht natürlich erst dann so richtig Spaß wenn man sich nach einem harten Arbeitstag voller schweißtreibender Feldarbeit und hingebungsvoller Pflege der Tiere in seinem Sessel zurück lehnen und, ja genau, Statistiken ansehen kann. Das Spiel hält dabei genau fest wie viele Hektar Land man bearbeitet hat, wobei noch einmal genau aufgelistet wird, wie viel Land man mit welchem Arbeitsschritt bewirtschaftet und wie viel Zeit man darin investiert hat. Natürlich wird auch gezählt wie viel Helfer man eingestellt, Treibstoff man verbraucht oder sogar wie viele Bäume man gefällt hat (oh ja, auch das kann man natürlich…). Neben den Statistiken gibt es auch Erfolge die man freischalten kann, hat man bspw. eine gewisse Spielzeit erreicht, eine gewisse Menge Geld erwirtschaftet oder eine gewisse Menge Goldnuggets gefunden (welche in der Welt versteckt sind). Um die Feldarbeit etwas aufzulockern, kann man, während man im Fahrzeug sitzt, übrigens auch das Radio einschalten – die Radiosender sind dabei nett, aber mehr auch nicht – immerhin gibt es die Auswahl zwischen 5 verschiedenen Sendern von Rock bis Elektro.

Missionen und Expansion

Zu Beginn stehen einem nur drei Felder zur Verfügung die man bewirtschaften kann, doch in der Umgebung gibt es weitere Felder die man, natürlich für Geld, erwerben kann. Statt die Felder direkt zu kaufen, wofür man am Anfang ohnehin kein Geld hat, kann man den Besitzern auch beim bewirtschaften ihrer Felder helfen. So bekommt man verschiedene Aufgaben gestellt und erhält dafür Geld – bspw. muss man ein Feld in einer vorgegebenen Zeit abernten. Schafft man dies, erhält man eine gerade zu Beginn sehr großzügige Bezahlung und nochmal einen Bonus gemessen an der übriggebliebenen Zeit. So kann man, während die Helfer auf den eigenen Feldern arbeiten, seinen Nachbarn unter die Arme greifen und extra Geld kassieren womit man wiederum neue Felder kaufen kann usw usw.

Grafik und Steuerung

Natürlich braucht man von einer Simulation keine beeindruckende Grafikpracht erwarten und auch hier ist die Grafik eher zweckmäßig, jedoch nie wirklich schlecht. Was ab und an störend auffällt ist die etwas magere Weitsicht was Details angeht, so sieht man Getreidefelder schon sehr deutlich ins Bild „ploppen“ wenn man sich nähert. Größtes Manko für mich ist jedoch leider die Steuerung der Fahrzeuge – so detailreich diese auch gestaltet sind, ein wirklich gutes Gefühl für die Fahrzeuge will sich irgendwie nicht einstellen. Hier fühlt sich die Fahrphysik eher weniger wie eine Simulation an sondern vielmehr wie ein Arcade-Racer und so hatte ich auch nach mehreren Stunden immer mal wieder damit zu kämpfen mein Fahrzeug wirklich präzise so übers Feld zu lenken, wie ich es wollte.

Fazit

Alles in Allem ist der Landwirtschafts-Simulator für Nintendos Switch genau das was es sein möchte – eine möglichst detailgetreue Simulation für alle, die gerne in das Leben eines Farmers eintauchen möchten. Wer jedoch einen Kompromiss aus Simulation und Einsteigerfreundlichkeit erwartet wird etwas enttäuscht werden, denn der Landwirtschafts-Simulator ist eine kompromisslose Simulation und eben kein Stardew Walley oder Harvest Moon.

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  • Gameplay - 80


  • Sound - 80


  • Grafik - 70


  • Steuerung - 70


Kurzfassung

+ Kompromisslose Simulation
+ Detail und Umfangreicher Fuhrpark
+ Viele Möglichkeiten den Farmer in sich zu entdecken

- Zweckmäßige Grafik
- Teilweise zu komplex für Einsteiger
- Fahrzeugsteuerung nicht gut gelungen

75

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